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Prüfsiegel erleichtert Einstieg ins Franchising

Interview mit Bernd-Rüdiger Faßbender, Präsident und Vorsitzender des Deutschen Franchise-Nehmer Verbandes e.V. (DFNV)


MeinGeld:
Herr Faßbender, der DFNV wurde 1994 als Interessenvertretung der Franchise-Nehmer gegründet – welchen Zielen fühlt sich Ihr Verband im Einzelnen verpflichtet?

Faßbender: Natürlich sind das in erster Linie die in unserer Satzung festgelegten Ziele. Dabei geht es in der Hauptsache um die Förderung der Franchise-Wirtschaft als Ganzes und in besonderem Maße um eine Interessenvertretung der Franchise-Nehmer in Deutschland und Europa. Stichwort „Förderung der Franchisewirtschaft“: Unsere „Konzeption 500.000“, mit der wir ein Verbessern der Rahmenbedingungen für Franchising fordern und auch das Schaffen von Arbeitsplätzen durch Franchising thematisiert haben, setzen wir zurzeit schrittweise gemeinsam mit den politischen Kräften, Ministerien, Wirtschaftsverbänden und dem Deutschen Franchise-Verband e.V. (DFV) um.

MeinGeld: Diese Aufgabenstellung ähnelt sehr stark derjenigen des DFV – welche Unterschiede gibt es bei ihrer Verwirklichung, worin sehen Sie notwendige Überschneidungen und wie gestalten Sie die Zusammenarbeit?

Faßbender: Zum besseren Verständnis des Zusammenspiels der beiden Verbände sollte man sich die Aufgaben und Zielsetzungen von Franchise-Gebern und Franchise-Nehmern in der täglichen Arbeit ansehen. Diese Partner haben, bei allen Unterschieden, auch viele gemeinsame Ziele, zu deren Erreichen sie partnerschaftlich zusammenarbeiten müssen. Das findet natürlich seine Grenzen bei den Finanzfragen, wo jeder Systempartner zu Recht die eigene Position verteidigt und zugleich ein gesunder Opportunismus beider Seiten gefragt ist.

Wenn ein Systempartner über das erträgliche Maß hinaus seine egoistischen Interessen verfolgt, sind beide Verbände gefordert, schlichtend einzugreifen. Dabei muss leider festgestellt werden, dass die Fronten oftmals schon so verhärtet sind, dass es sehr schwer wird, die „Kampfhähne“ wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Die beiden Verbände versuchen Vorbild zu sein und arbeiten auf den meisten Feldern zielorientiert und partnerschaftlich zusammen.

MeinGeld: Das vom Deutschen Franchise-Nehmer Verband entwickelte Prüfsiegel findet großen Anklang – welchen Nutzen bringt es für potenzielle Franchise-Nehmer und wo liegen seine Grenzen?

Faßbender: Das Prüfsiegel des DFNV ist aus ideellen Gründen entstanden. Es verfolgt das Ziel, einen leichteren Einstieg für potenzielle Franchise-Nehmer in das „Franchise-Land“ zu ermöglichen und zugleich „Franchise-Mogelpackungen“ oder unsauber arbeitende Franchise-Systeme zu entlarven. Der Nutzen für den Franchise-Nehmer-Anwärter liegt klar auf der Hand: Die Kosten für das überprüfen des Franchise-Vertrags werden erheblich reduziert und er erhält eine wertvolle Hilfe für das Beantworten der Frage, ob das angebotene Franchise-System sauber arbeitet. Außerdem wird so die Entscheidung für oder gegen eine Selbstständigkeit im Franchising wesentlich erleichtert. Aber auch die erfolgreich geprüften Franchise-Geber haben einen Vorteil: Indem sie sich klar von unsauber arbeitenden Systemen unterscheiden, finden sie eher neue Franchise-Nehmer.

Eine deutliche Grenze zieht das Prüfsiegel bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit. Der Franchise-Nehmer soll gar nicht erst in die Versuchung kommen, sich sozusagen in die System-Hängematte zu legen. Er soll sich seiner unternehmerischen Kompetenz und Verantwortung gerade im Bereich der Wirtschaftlichkeit bewusst werden und gemeinsam mit dem Franchise-Geber und einem Unternehmensberater Standortanalysen, Finanz- und Liquiditätspläne erstellen, um sein eigenes Risiko abwägen zu können.

MeinGeld: Gibt es „Trittbrettfahrer“, die das DFNV- Prüfsiegel kopieren wollen?

Faßbender: Das liegt in der Natur der Sache, obwohl man hier genau unterscheiden muss und nicht Äpfel mit Birnen vergleichen darf. Beispiel: Kein Trittbrettfahrer ist die bekannte ISOZertifizierung. Sie standardisiert die betriebswirtschaftliche Kommunikation und ist in großen Teilen mit dem DINCerto des Instituts für Franchising und Cooperation an der Universität Münster vergleichbar. Es handelt sich hier um eine Zertifizierung mit wissenschaftlichem Ansatz. Deren Nutzen für die Praxis des Franchising scheint aber noch nicht hinreichend nachgewiesen zu sein.

Wir sehen es auch als außerordentlich begrüssenswert an, dass der DFV seine Aufnahmekriterien für Franchise-Geber verbessern will. So wird diese Mitgliedschaft längerfristig noch mehr als bereits heute ein Qualitätsmerkmal darstellen. Derzeit ist jedoch nur ein Teil der Franchise-Geber im DFV organisiert; wobei die Nichtmitgliedschaft wiederum keineswegs besagt, dass es dem System an Qualität mangeln würde. Deshalb kann eine Mitgliedschaft nicht die Funktion eines für die ganze Branche geltenden Qualitätssiegels erfüllen. Insgesamt lässt sich sagen: Ein Prüf- oder Qualitätssiegel von Franchise-Systemen darf keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für notleidende Privatinstitute oder nach Gewinn strebende Unternehmen sein. Es muss eine freiwillige Selbstkontrolle der Franchise-Wirtschaft bleiben. Deshalb darf diese Angelegenheit nicht in fremde Hände gegeben werden, sondern ist von der Franchise-Wirtschaft selbst zu leisten. Bei unserem Prüfsiegel ist zugleich die notwendige Neutralität gewährleistet. Der DFNV erhält von den Franchise-Gebern weder Honorare noch Mitgliedsbeiträge – wir können also von vornherein gar nicht in die Versuchung kommen, jemanden zu bevorzugen. Mit strengen Richtlinien für die Prüfer stellen wir die Prüfungs- und Chancengleichheit sicher. Der mitunter geäußerte Wunsch nach einem gemeinsamen Siegel beider Verbände geht unserer Meinung nach fehl, da ein jeder nur für seine eigenen Leistungen gerade stehen kann und sonst eine Beschädigung des Profils der jeweiligen Interessenvertretung zu befürchten wäre.

MeinGeld: Da schließt sich geradezu zwangsläufig die Frage an, auf welche Weise ein Franchise-Geber und damit sein System das Prüfsiegel erhalten kann?

Faßbender: Interessierte Franchise-Geber wenden sich an unsere Bundesgeschäftsstelle in Bonn. Dort wird dann das weitere Procedere besprochen. Man kann sich auch auf unserer Homepage im Internet informieren.

MeinGeld: Wer kann Mitglied des DFNV werden, was kostet die Mitgliedschaft und welchen konkreten Nutzen bringt sie mit sich?

Faßbender: Jeder Franchise-Nehmer kann mit einem Jahresbeitrag von 160 Euro sofort Vollmitglied werden, sofern er sich nicht gerade im Rechtsstreit mit seinem Franchise-Geber befindet. Es besteht außerdem die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft (ohne Serviceleistungen und Stimmrecht) für 60 Euro. Damit auch Franchise-Interessierte betreut werden können, ist schließlich eine Vollmitgliedschaft ohne Stimmrecht möglich. Die Leistungen des DFNV, die wir für unsere Mitglieder erbringen, sind im Internet unter www.dfnv.de veröffentlicht. Hervorzuheben sind der Rechtsschutz für Franchise-Verträge, günstige Modelle der Altersvorsorge und Krankenversicherung, Sonderkonditionen bei Telefongebühren, Mietwagen, Hotels, Maklern und natürlich vor allem der professionelle Beistand bei der Suche nach einem geeigneten System und bei der Unternehmensgründung im Franchising sowie die Hilfe bei eventuellen Problemen mit dem Franchise-Geber. In Notlagen stehen wir erst recht an der Seite unserer Mitglieder.

MeinGeld: In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Franchise-Nehmer wegen ihrer relativ großen Abhängigkeit vom Franchise-Geber mitunter als „Unternehmer zweiter Klasse“ – was hat es in diesem Zusammenhang mit dem vom DFNV erarbeiteten Kriterienkatalog für ein Franchise-Nehmer-Zertifikat auf sich?

Faßbender: Zur notwendigen Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Franchise-Wirtschaft gehört nach unserer Auffassung auch die Qualifizierung von Franchise-Gebern und deren Führungspersonal. Hier leistet das renommierte Deutsche Franchise Institut (DFI) in Nürnberg bereits seit Jahren eine erfolgreiche Arbeit. Franchise-Nehmer sind mittelständische Unternehmer wie alle anderen auch und keineswegs „Selbstständige zweiter Klasse“. Das Franchise-Nehmer-Zertifikat zielt darauf, auch die Qualifikation der Franchise-Nehmer zu dokumentieren sowie ihr Selbstbewusstsein zu stärken, damit sie ihrem Partner, dem Franchise-Geber, auf gleicher Augenhöhe begegnen können.

MeinGeld: Wie kann jemand feststellen, ob er überhaupt als Franchise-Nehmer geeignet ist?

Faßbender: Jeder Franchise-Interessent muss sich klar machen, was er kann und will. Er muss Spaß an der Sache haben und belastbar sein. Schließlich ist zu berücksichtigen, dass der Franchise-Nehmer im Regelfall für mindestens fünf Jahre an sein Projekt gebunden ist. Auch der Drang zum Geld-Verdienen darf nicht fehlen. Ganz wichtig ist das kommunikative Vermögen – sowohl in bezug auf den Kunden als auch im Verhältnis zum Franchise-Geber.

MeinGeld: Ist eine Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus nach Ihrer Meinung empfehlenswert?

Faßbender: Selbstständigkeit im Franchising kann durchaus eine vernünftige Alternative zur Dauerarbeitslosigkeit darstellen, aber sie darf auf gar keinen Fall als Strohhalm herhalten. Wer – ob Angestellter oder Unternehmer – in seinem Job erfolglos war, dürfte es auch schwer haben, einen Franchise-Geber von seiner Eignung als Partner zu überzeugen.

MeinGeld: Ein besonders interessanter Aspekt des Franchising ist sicherlich auch seine internationale Verbreitung – welche Kontakte pflegt Ihr Verband über die Zusammenarbeit mit dem DFV hinaus?

Faßbender: Zurzeit heben wir den Franchise-Nehmer-Verband in einem europäischen Nachbarland aus der Taufe und suchen die Zusammenarbeit mit dem französischen Franchise-Nehmer-Verband. Mit Hilfe des Europäischen Existenzgründer Verbandes e.V. unterstützen wir in anderen Ländern Europas das Gründen von Franchise-Nehmer-Verbänden. In der Forschung arbeiten wir mit drei Universitäten in South Carolina, Nebraska und Florida zusammen. Mit der Europäischen Kommission führen wir zurzeit einen Dialog über zwei Projekte, und bei unserer Regierung versuchen wir ein Franchise-Gesetz zu initiieren.

MeinGeld: Last but not least – welche Veranstaltungen werden vom Deutschen Franchise-Nehmer Verband e.V. ausgerichtet oder mitgestaltet?

Faßbender: Unser Etat erlaubt keine großen Sprünge, und ein Sponsor, der zu uns passen würde, hat sich bisher nicht gefunden. Deshalb ist für Eigenveranstaltungen noch kein großer Platz. Mitgestalter sind wir zum Beispiel bei Veranstaltungen des Wirtschaftsministeriums; so haben wir im vorigen Jahr an dessen Road Show in sechs verschiedenen Orten teilgenommen und unsere Dozenten kostenlos zur Verfügung gestellt. Daneben beteiligen wir uns an zahlreichen regionalen Veranstaltungen der Banken, der Industrie- und Handelskammern, der Arbeitsagenturen und der Kommunen.

Interview aus MeinGeld Ausgabe 07/08 2004. Das Interview wurde geführt von Johannes F. Haack
Mitarbeit: Diana Schure