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Franchising braucht mehr Entrepreneure!

Entrepreneurship und die Suche nach den „wirklichen“ Unternehmern. Nach Günter Faltin, Professor für Wirtschaftspädagogik an der FU Berlin, versteht man unter Entrepreneurship die Entwicklung einer unternehmerischen Idee und ihre Umsetzung im Markt.

Im angelsächsischen Sprachraum unterscheidet man klar zwischen „Business Administration“ und Entrepreneurship. Dies macht deutlich, dass man von den grauen Herren in der Vorstandsetage sicherlich Unternehmensverwaltung erwarten darf, aber keine Kreativität, aktives unternehmerisches Agieren, geschweige denn eine positive Besessenheit bei der Durchsetzung ihrer manchmal träumerischen Ziele.

Der Entrepreneur ist nicht mit dem heute leider bei manchen immer noch negativ besetzten Wort Unternehmer zu vergleichen, der sich – so das Vorurteil – auf Kosten der unschuldigen Konsumenten und der hart arbeitenden Bevölkerung bereichert. Das Wort Unternehmergeist ist wohl besser besetzt und auch bei der Definition des Entrepreneurs zu finden.

Der Entrepreneur ist in der Regel auch kein Erfinder, sondern ist der Entdecker des bereits Existierenden. Erfolgreich in den Weltmarkt wurde das Telefax nicht von ihrem Erfinder und denen, welche eine Vermarktung direkt versuchten, eingeführt, sondern von ganz anderen Firmen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Durchsetzen, nicht dem Erfinden. Wissen wird dadurch lebendig gemacht und im Markt erfolgreich umgesetzt.

Entrepreneurship ist nach Faltin das Erkennen, Schaffen und Nutzen von Marktchancen. Die Idee und die Person, der Entrepreneur und nicht etwa Finanzierungsmodelle sind die Erfolgsfaktoren für Unternehmensgründungen. Bei solchen Gründungen spielt die technologische Innovation eine wichtige, aber keineswegs die einzige Rolle. Genau so wichtig für die Entwicklung von unternehmerischen Ideen ist das Erkennen von gesellschaftlichen Trends. Entrepreneure, die innovative, verbesserte Produkte oder Dienstleistungen für sich wandelnde Kundenbedürfnisse am Markt durchsetzen, werden zu den Gestaltern der zukünftigen Wirtschaftsstrukturen.

 

Der Entrepreneur ist auch kein Kapitalist, der sich mit seinem Geld in Unternehmen einkauft und eine möglichst hohe Verzinsung erreichen möchte. Der Kapitalist rationalisiert oder schließt unproduktive Teile des Unternehmens und setzt damit tendenziell Beschäftigte frei. Der Entrepreneur hat eine Idee, gründet ein Unternehmen, stellt Leute ein. Ein Bonmot unserer heutigen Zeit, das Sie bitte nicht politisch verstehen sollten, lautet: „Der Entrepreneur schafft Arbeitsplätze, der Kapitalist setzt sie frei!“

Diese Negativausstrahlung beobachteten wir leider sogar auch im Franchising bei einigen Franchise-Systemen, die an die Börse gehen und dann auf Kosten der Franchise-Nehmer (Franchisee) versuchen höhere Gewinne darzustellen. Wer sind nun diese Entrepreneure und finden wir diese auch im Franchiseland?

Erst einmal die Altväter: Gottlieb Duttweiler, von seinem Vater aus der Schule genommen, Gründer des Schweizer Handelsunternehmens Migros, ist sicher das klassische Beispiel des Entrepreneurs, den man als besessenen Kaufmann sehen kann, und der sicher nicht aus Gewinnstreben gehandelt hat, aber dennoch riesige Überschüsse anhäufte. Der Kanadier Willard Garfield Westen stellte zum Beispiel fest, dass die englischen Hausfrauen nach dem zweiten Weltkrieg abgepacktes, geschnittenes Brot kaufen wollten. Leider gab es kein Verteilersystem, welches dies ermöglichte, dort, wo sie es wünschten, zu kaufen. Aus dieser kleinen Idee entstand innerhalb weniger Jahre das größte Nahrungsmittelunternehmen Großbritanniens.

Und was finden wir in der Franchisewirtschaft!? Nehmen wir als lebendigen Vergleich für eine pfiffige Idee im Segment Verteilersysteme im Franchising Herwig Eggerstedt, der mit dem von ihm gegründeten System, „Das Futterhaus“ schon Norddeutschland beherrscht und weiter expandiert, Johannes Kiderlen, der mit seiner Fasspyramide und mit seinem Franchise-System „vom Fass“ AG auch in Japan, England und China von sich reden macht. Winfried Gellrich, der mit seinen Partnern auf die Jagd nach Erdstrahlen, Wasseradern und Elektrosmog geht, Karl Helesic, der mit seinem Akquise-Türöffner seinen Franchisees ermöglicht die Werbeartikelbranche aufzumischen, Town & Country mit Gabriele und Jürgen Dawo, welche entgegen der Entwicklung der Baubranche ein beachtliches Wachstum beim Verkauf ihrer 34 Hausgrundtypen aufweisen und den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Franchisephilosophie stellen, Isotec mit Horst Becker, welche erfolgreich bei der Gebäudesanierung mit einem modernisierten Rezept aus dem Mittelalter arbeiten. Dieter Fröhlich mit seinen über 500 Musikschulen, die er über 25 Jahre fröhlich und erfolgreich dirigiert, ehrenhalber einen Doktortitel führt und Präsident des DFV in Berlin ist, die Gebrüder Gschwendner, mit ihren bundesweiten Teeläden zur „Nummer Eins“ im Facheinzelhandel der Teebranche geworden sind, etc.

Noch mehr Systeme würde den Rahmen überdehnen, aber als aufmerksamer Leser der „franchiseERFOLGE“ sind Sie ja laufend
informiert. Den Rahmen würde auch die persönliche Nennung von über 35.000 Franchisee in Deutschland, die Entrepreneure der Franchisewirtschaft an der Front, sicher sprengen. Die Franchisebranche hat ihre Entrepreneure, braucht aber bei den Franchisor (Franchise-Geber) und den Franchisee (Franchise-Nehmer) dringend Nachschub, mit dem Ziel von über 2.000 Systemen und 20.000 Franchisee. Da laut Studie der Uni Mainz ein Franchisee im Schnitt viereinhalb Arbeitsplätze schafft, bedeutet dies rund 540.000 Arbeitsplätze durch Franchising.

Zur Klärung: Der Franchisee ist selbstständiger Unternehmer und sorgt hart am Wind für die erfolgreiche Umsetzung der Geschäftsidee des Franchisor, mit Unterstützung eines vom Franchisor geleitetem Netzwerk. Alle Partner im Franchisesystem sind also, jeder auf seinem Platz, die Entrepreneure, welche unsere Wirtschaft braucht, denn Selbstständigkeit ist der Schlüssel zum Wohlstand für die gesamte Gesellschaft. In diesem Sinne: Packen wir es an! Dabei wünsche ich Ihnen allen persönlich das berühmte Quäntchen Lebens- und Kaufmannsglück.

Artikel aus dem Magazin franchiseERFOLGE, Autor: Bernd-Rüdiger Faßbender